6. April 2016, Nadi, Fidschi. „Wohnen Sie in gefährdeten Gebieten, dann begeben Sie sich in höher gelegene Gegenden und bringen Sie sich und Ihre Tiere in Sicherheit. Schulen und Kirchen dienen als Notunterkünfte“, appelliert die Moderatorin von Radio Fiji an die Zuhörerschaft. Wir sitzen morgens um 8.30 Uhr mit unserem Gepäck im Transporter und sind ganz Ohr. Vorbei an Wiesen, die über Nacht zu Weihern geworden sind, werden wir zum Hafen gefahren. „And if plan A is not working, remember there are 25 more letters in the alphabet!“, beendet sie die Durchsage.
Nachdem wir gestern Abend auf der Fidschi-Hauptinsel Viti Levu angekommen sind und in einem Hotel übernachtet haben, soll uns heute ein Katamaran vom Hafen auf ‚unsere‘ kleine Südseeinsel, Matamanoa, übersetzen. Falls die Schifffahrt überhaupt in Betrieb ist. „Sorry for the weather“, entschuldigt sich unser Fahrer – Regenzeit auf Fidschi.
Aber: „Storms never last“. Offensichtlich sind es sich die Radiomoderatorinnen gewohnt, der Bevölkerung Mut zu machen. Auch als gestern kurz nach Ankunft am Flughafen der Strom ausfiel und die gesamte Umgebung in Dunkel gehüllt wurde, waren es nur die Touristen, denen ein Raunen entglitt, bevor sie die Handy-Taschenlampen zückten. Im Hotel war der Plan B bereits in Gang: Der Generator surrte und der Mann des Tages eilte mit seinem Passepartout den Hotelgästen zur Hilfe, die mangels funktionierenden PC’s keine Zimmerschlüssel bekommen hatten.
Erst als wir auf dem Katamaran sind, realisiere ich, dass der sich nähernde Zyklon, von dem im Radio die ganze Zeit die Rede ist, meinen Übernamen trägt: Zena (englisch ausgesprochen ‚Sina‘). Ausgerechnet! Die Schulen auf Fidschi blieben heute geschlossen, niemand gehe zur Arbeit, berichtet die Moderatorin.
Derweil verteilt eine mütterlich lächelnde Insulanerin auf dem Katamaran erste Servietten und Kotztüten. „Are you alright, Ma’am?“ fragt sie mich mit besorgtem Gesicht. Bis jetzt schon! – Wie sehe ich wohl aus? Als das Schüttelbechergefühl zunimmt und die Musik lauter gestellt wird (weil die ersten hinter mir Fische zu füttern beginnen), kaue ich einen Reisekaugummi und mache Atemübungen, die ich in den wöchentlichen Yogastunden bei Gabriela kennengelernt habe…
Trotz Grau, Regen und Wind leuchten die kleinen Südseeinseln, die wir anfahren, wie kleine beigefarbene Muscheln im Meer. Auf jeder werden einige Leute abgeladen und andere steigen zu. Währenddem wir im Verlauf der eineinhalbstündigen Fahrt ordentlich durchgeschüttelt werden, wird im Radio der lüpfige Countrysong ‚Rain is a good thing‘ gespielt. Ralph hat sich in seiner ganzen Länge auf die breite Sitzbank gelegt und schläft. Mich schüttelt ein Lachanfall ob der absurden Situation. Und der Sorge, wie es mit dieser Wetterlage wohl weitergehen wird*.
Inzwischen hat das offene Meer, auf das wir zusteuern, das dunkle Blau eines Wals angenommen. Das Fenster vor mir könnte auch das einer riesigen Waschmaschine im Waschgang sein. Die Katamaran-Mitarbeiterin macht eine Durchsage: „Bleiben Sie auf Ihren Plätzen sitzen, es wird nun etwas ‚bumpy'“.
The Weather Girls singen. Zu ‚It’s raining men‘ nähern wir uns schliesslich Matamanoa, unserem Tagesziel. Der Regen hat nachgelassen. ‚It’s just rain…‘, höre ich unseren letzten Gastgeber in Neuseeland sagen. Am zweitletzten Tag regnete es in Christchurch nämlich.
* Fortsetzung folgt…